Warum wir Oberbillwerder nicht brauchen

Wir brauchen Wohnungen. Das ist das einzige Argument zur Rechtfertigung der Bebauung von Oberbillwerder.

 

Doch Möglichkeiten zu bauen gibt es genug, ohne die grüne Wiese anzutasten. Alle Bezirke erstellen seit 2011 im Rahmen eines Bündnisses für Wohnen Wohnungsbauprogramme und in Hamburg werden 6.000 Wohnungen jedes Jahr genehmigt, seit 2016 hat man dieses Ziel auf jährlich 10.000 Wohnungen erhöht, 2017 wurde das Ziel mit mehr als 13.000 Genehmigungen übererfüllt.

 

Die Wohnungsbauprogramme Hamburgs weisen Potenzialflächen für gut 69.000 Wohnungen aus, Stand 2018. Nimmt man wenig intensiv genutzte Flächen z.B. im Billeraum, nördlich von Rothenburgsort, in der Innenstadt, an der ehemaligen Wilhelmsburger Reichsstraße und an den Magistralen hinzu, dann könnten mehr als 200.000 Wohnungen auf schon versiegelter Fläche entstehen.

 

Das ist machbar, doch politisch etwas aufwendiger und weniger bequem als die grüne Wiese zu bebauen, die man den Bauern schon vor hundert Jahren weggenommen hat. Doch das erfordert politische Arbeit, Streit und Auseinandersetzungen mit Interessensverbänden, mit denen die Politik selbst verflochten ist und kostet zunächst auch Geld für den Erwerb der Flächen. Doch letztlich wäre es wahrscheinlich billiger als die Erschließung einer Fläche, die von der Lage her, gar nicht für eine so großspurige Bebauung geeignet ist, z.B. wegen des Verkehrs und der Distanz zur Stadt und wegen der Bodenbeschaffenheit, ein feuchter und schwammiger Marschboden.

 

Bevor Hamburg 125 Hektar Kulturlandschaft für 7.000 Wohnungen unwiederbringlich zerstört, sollten diese vorhandenen Potenziale doch erst einmal ansatzweise genutzt werden.

 

Die Mieten sind seit 2011 schneller gestiegen als zuvor. Einen dämpfenden Effekt auf die Mieten haben die Wohnungsbauprogramme bisher nicht gehabt. Das ist auch nicht verwunderlich, denn Hamburg überlässt das Bauen im Wesentlichen privaten Investoren, die das Ziel haben, Rendite zu erzielen. Selbst das städtische Wohnungsbau Unternehmen SAGA/ GWG schwimmt auf dieser Welle und macht mit Hamburger Mieten beste Geschäfte: Jährlich 200 Millionen Euro Gewinn vor Steuern, Tendenz steigend. Und übrigens ist Frau Stapelfeld bei der SAGA Aufsichtsratsvorsitzende!

 

Auch hier wäre alternative und soziale anstrengende politische Arbeit gefragt, doch ist das wohl zu mühsam und täte Interessensgruppen weh, mit denen man verbandelt ist.

 

Schuld an höheren Mieten sind nicht nur immer höhere Auflagen, wie die Energieeinsparverordnung, sondern auch deutlich steigende Baukosten, letzteres ist eine unmittelbare Folge der Baukonjunktur. 

Unsere Rednerinnen und Redner in Aktion

Die Politik gießt mit der aktuellen Wohnungsbaupolitik und geplanten zusätzlichen Abschreibungen für Investoren weiter Öl ins Feuer um diesen Boom anzuheizen, mit der Folge immer schneller steigender Preise und Mieten. Die offizielle Vorausberechnung der Bevölkerung Hamburgs von 2015 geht davon aus, dass Hamburg bereits 2028 das Maximum erreicht haben könnte, danach wird die Bevölkerung in Hamburg voraussichtlich sinken. Die ersten Bewohner Oberbillwerders werden 2025 einziehen können, wenn alles ohne Verzögerung läuft. Bis der Stadtteil vollständig fertig gestellt wird, dürften weitere 10 Jahre vergehen: Oberbillwerder kommt also schlicht zu spät.

 

Hamburg hat eine lange Tradition Großsiedlungen zu bauen. Ob dies nun Kirchdorf Süd, Steilshoop, Mümmelmansberg oder Neu Allermöhe West ist, ein echtes Erfolgsprojekt war nicht dabei. Auch Oberbillwerder wird sich hier einreihen, will man doch lieber günstig und hoch – und am privaten Profit orientiert - als ansprechend bauen.

 

Das serielle Bauen, wie es unser Oberbaudirektor Höing nennt, lässt langweilige Investoren-Architektur in vielfacher Ausfertigung erwarten.

 

Als Oberbillwerder von der IBA in Neu Allermöhe vorgestellt wurde, gab ein Bürger zu bedenken, dass wenn man heute die Fehler der Vergangenheit erkannt hat, warum man dann nicht erst einmal die bestehenden Stadtteile repariert, bevor man neue Fehler baut.

 

Es ist an der Zeit die Planungsunterlagen für Oberbillwerder ein letztes Mal ins Archiv zu legen und diese Idee endgültig zu beerdigen.

Wir sagen: NEIN ZU OBERBILLWERDER!



Der weltweite Naturwert Billwerders

Die Natur Billwerders und Umgebung incl. der Boberger Düne und Niederung ist weit über die Grenzen Hamburgs und Deutschlands hinaus beeindruckend und bedeutend.

 

Die besondere Vielfalt der Natur und die hohen Vorkommen seltener Arten wie z.B. des weltweit gefährdeten Wachtelkönigs verleihen Billwerder eine weltweite Bedeutung.

Und weltweit ist nicht zu hochgegriffen- denn dem weltweit bedrohten Wachtelkönig und vielen anderen woanders schon lange ausgestorbenen Pflanzen und Tieren der Wiesen geht es in Billwerder noch richtig gut. Denn die Landwirte nehmen auch außerhalb der Naturschutzgebiete „Boberger Niederung“ und „Allermöher Wiesen“ viel Rücksicht auf die Natur.

Die Artenvielfalt in ganz Norddeutschland ist verarmt, nein nicht in ganz Norddeutschland, es gibt ja noch Billwerder. Billwerder kann sogesehen das Modell für eine naturverträgliche Landwirtschaft nicht nur in der Marsch sein.

Und diese natur- und umweltschonende Landwirtschaft sorgt für viele Naturerlebnisse, die anderen Ortes gar nicht mehr möglich sind- zum Beispiel eine klangvolle Sinfonie von Nachtigall und Blaukehlchen, zwei Singvogelarten, die so nah miteinander verwandt sind, dass sie auch als Schwestern bezeichnet werden können. Diese Schwestern sorgen für einen wunderbaren Ohrenschmaus der Naturbegeisterten.

 

Die Vogelwelt ist durch ihren Reichtum vor allem an bedrohten Arten geprägt. Am Tage jubiliert und trillert die Feldlerche besonders zahlreich über den mehr als 100 Kilometer langen Marschgrabenrändern Billwerders.

 

Rohrweihen jagen mit V-förmig gehaltenen Flügeln niedrig über der weiten Flur. Dieser am Boden brütende Greifvogel nutzt die großräumige Landschaft Billwerders als Brut- und Nahrungsgebiet.

Es ertönen die Rufe der Wachtel und des Rebhuhns.

Ebenso weit hörbar ist der Ruf des Wachtelkönigs.

Wie eine Sinfonie klingt demgegenüber der Gesang der in Billwerder häufigen Nachtigall und des Blaukehlchens.

An der Bille lebt der farbenprächtige Eisvogel, der wie ein schillernder Diamant in Wassernähe nach Nahrung sucht. Vor allem flaches Wasser unter anderem in den Marschgräben nutzen auch viele Entenarten.Besonders prägen auch mit ihren langen Schnäbeln die Schnepfenvögel Billwerder, z.B. die Uferschnepfe, die im feuchten Grünland nach Nahrung sucht.

 

Nach Nahrung suchend lassen sich in Billwerder z.B. der über das Grünland schreitende Weißstorch, der majestätisch fliegende Seeadler sowie der pfeilschnelle Wanderfalke bewundern.

 

Auch die Insektenwelt hat es in sich: Aus dem Feuchtgrünland ertönt der Ruf der Sumpfschrecke. Der Laut dieser Heuschreckenart erinnert an das Ticken von Weidezaungeräten, die auch weit verbreitet in Billwerder sind. Der weiß-orange gefärbte Aurorafalter braucht seine Futterpflanze, das Wiesenschaumkraut.

 

Und die insgesamt mehr als 100 Kilometer langen Marschgräben Billwerders haben es auch im wahrsten Sinne in sich - zahlreiche im Frühjahr blau gefärbte Frösche- die sogenannten Moorfrösche finden hier einen klasse Lebensraum.

 

Die landwirtschaftliche Nutzung Billwerders aktuell fast völlig maisfrei. Andererseits ist die Landwirtschaft Billwerders durch die Weidehaltung von Pferden sowie Mutterkühen geprägt. Die Pferdehöfe sorgen mit den Wiesen als Futterflächen für einen hohen Grünlandanteil. Dieser ist wiederum Grundlage für eine hohe Vielfalt. Und zudem eine der wenigen Ausnahmen im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands. Mit vielen positiven Auswirkungen für Natur und Umwelt. Und Grundlage für Billwerders kostbaren Naturschätze.

 

Den weltweiten Naturwert Billwerders gilt es zusammen mit der Artenvielfalt der Boberger Düne und Niederung als natürliche Einheit zu bewahren. Nicht als 105.Stadtteil Hamburgs, sondern als 1. Dorf in der Stadt. 


Arbeitsgemeinschaft
„Paradies Billwerder erhalten“
der Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille e.V.
Billwerder Billdeich 241 · 21033 Hamburg