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01.07 bis 02.09.24 - noch einmal:                    Auslage Bebauungsplanentwurf

Am 16. Mai platzte im Hauptausschuss der Bezirks-versammlung Bergedorf die sprichwörtliche Bombe. Der Bebauungsplanentwurf Billwerder-30 (Oberbillwerder) muss neu ausgelegt werden.

Die Begründung ist, dass bei zwei Gutachten zum FFH (Fauna-Flora-Habitat)-Gebiet "Boberger Düne" Karten-Anlagen fehlten. Des weiteren muss das Ausgleichskonzept für die Feldlerchen angepasst werden, ein Gewerbeblock soll ein Stockwerk mehr bekommen und es gibt nun Ausnahmen bei der Anschlusspflicht an das Fernwärmenetz.

 

Insgesamt wurden bisher 195 Stellungnahmen zum B-Plan abgegeben, an der Abwägung der Stellungnahmen wird gearbeitet, es dauert aber noch Wochen bis dies abgeschlossen sein wird. Eine überarbeitete Version des B-Planes muss erarbeitet werden und neue Gutachten abgefragt werden. Trotzdem soll die wiederholte Öffentlichkeitsbeteiligung schon in der Zeit vom 1. Juli bis 2. September durchgeführt werden. Diesmal liegen die sechs Wochen Sommerferien genau im Auslagezeitraum. Ein Antrag auf Verschiebung wurde mit dem Hinweis abgelehnt, dass mit einer neunwöchigen Auslage das Transparenzgebot gewahrt sei und man aufgrund der Ferienzeit sicherlich auch mehr Zeit hätte, sich mit den Unterlagen zu befassen.

 

Immerhin ist es eine Chance, dass die Bürger und Umweltverbände sich noch einmal intensiv mit den umfangreichen Unterlagen befassen und weitere Fehler und Unstimmigkeiten aufzeigen können. Die bereits abgegebenen Stellungnahmen bleiben erhalten und werden im Rahmen der Abwägungen berücksichtigt.

 

Der erste Bebauungsplan-Entwurf wurde in der Zeit vom 8. Dezember 2023 bis zum 8. Februar 2024 ausgelegt.

 

Link zur Drucksache - 21-1852.04

Ausschnitt vom Kopf der öffentlichen Mitteilung
Ausschnitt vom Kopf der öffentlichen Mitteilung
Im Naturschutzgebiet: Boberger Düne und viele Menschen
Im Naturschutzgebiet: Boberger Düne und viele Menschen


Apr 24 - Bebauung Offenlandschaft vs. Feldlerche

Nach wie vor scheint das Bezirksamt Bergedorf ratlos, wie und wo der Ausgleich für neun Feldlerchenpaare realisiert werden soll. Das Oberverwaltungsgericht hatte die geplante Maßnahme gekippt. Danach müssen die - neuerdings - 34 Feldlerchenpaare ortsnah untergebracht werden.
Im Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksversammlung wurde berichtet, dass für 25 Paare Flächen bereit stehen. Für neun Paare werde noch eine 27 ha große Fläche gesucht. Womöglich doch auf der Fläche neben den Pappeln (s.u. Bericht aus Februar), vorausgesetzt es gibt ein neues und tragfähiges Ausgleichs-konzept für die Fledermäuse. Nicht ausgeschlossen, dass es ein erneutes Genehmigungsverfahren geben muss.

Der Optimismus des planenden Bezirksamtes, dass der Zeitplan dennoch eingehalten werden kann, ist nicht nachzuvollziehen. Erst wenn alle Ausgleichsmaßnahmen genehmigt sind und nachgewiesenermaßen funktionieren, kann mit bauvorbereitenden Maßnahmen begonnen werden. Ob eine Baustraße noch in diesem Jahr angelegt werden kann ist sehr fraglich.

 

Die Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille e.V. als Umweltverband wird den weiteren Planungsprozess mit ihren Expertinnen und Experten an dieser Stelle sehr genau beobachten und kritisch hinterfragen.

Foto vom Titel Oberbillwerders größter Feind: ein anspruchsvoller Vogel
Foto vom Titel Oberbillwerders größter Feind: ein anspruchsvoller Vogel

Link zum Artikel der Bergedorfer Zeitung 20.4.24 (€)



März 24 - Sand im Getriebe

Was für eine Überraschung im Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksversammlung Bergedorf: Es gibt nirgendwo die erforderlichen Mengen an Sand für Oberbillwerder. 

Und fast noch wichtiger: Es gibt keinen Logistiker, der als Generalunternehmer die Sandlieferungen organisieren will. 

Nun soll der Sand in kleinen Tranchen kommen, sobald er gebraucht wird.

Welche Folgen hat das? Die Erschließung zieht sich erheblich länger hin als über die geplanten vier Jahre. Die Kosten werden mit Sicherheit bei kleinteiliger Lieferung erheblich steigen. Künftige Bewohner und bestehende Anwohner werden jahrelang Sandlieferungen zu ertragen haben.

Die Begründung für den Stadtteil, bezahlbaren und vor allem kurzfristig Wohnraum zu schaffen, rückt damit in weite Ferne. 

Hamburg sollte sich sehr schnell von der Idee verabschieden und alle planerischen Ressourcen dafür aufwenden, bezahlbaren Wohnraum im Bestand zu schaffen.

Auszug aus einem Artikel der Bergedorfer Zeitung:
IBA Projektkoordinator Christian Färber bestätigte im Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksversammlung, dass es noch immer keine Ausschreibung für die erheblichen Mengen an Sand gebe. Immerhin müssen weite Teile Oberbillwerders um bis zu 1,50 Meter aufgeschüttet werden, was für die 118 Hektar des Stadtteils nach Schätzungen bis zu drei Jahre dauert. Vorausgesetzt, die IBA findet überhaupt genügend Lieferanten. Gelingt es nicht, diese Grundlage dieses 105. Hamburger Stadtteils jetzt zu organisieren, ist der für 2027 terminierte Baustart für die Gebäude im zentralen Bahnquartier nicht mehr einzuhalten.

 

Ein paar  Tage nach dem Zeitungsbericht  rudert die IBA zurück... 

Alles nicht so schlimm, meint die IBA, Sand gäbe es nur in kleinen Mengen für die jeweiligen Bauabschnitte, die Investoren müssten dann selbst für die Aufschüttung ihrer Bauflächen sorgen.

Was dieses Vorgehen für den zusätzlichen Verkehr, die Mehrkosten, die tatsächliche Zeitplanung durch eine verlängerte Bauphase und vor allem für das Zusammenspiel von möglicherweise aufgehöhten, gar schon bebauten und noch nicht angeschütteten Flächen (vor allem im Hinblick auf die Entwässerung) bedeutet, wird nicht gesagt. 

Auch steht völlig in den Sternen, ob es überhaupt Investoren gibt, die sich zusätzlich noch um ihr eigenes Sandmanagement kümmern wollen.

Da das Markterkundungsverfahren seit zwei Jahren beendet ist, aber noch immer unter Verschluss liegt, drängt sich der Eindruck auf, dass wichtige Informationen zurückgehalten werden sollen.

Langsam müsste man sich als Bürger:in der FHH einmal die Frage stellen, wie Schaden durch die schlechte Kommunikation der IBA abgewendet werden kann…

Bergedorfer Zeitung 18.3.24: Bericht zu Problemen des Sandmanagements für Oberbillwerder
Bergedorfer Zeitung 18.3.24: Bericht zu Problemen des Sandmanagements für Oberbillwerder
Klimaschädlich und extrem teuer: Billwerder beerdigen
Klimaschädlich und extrem teuer: Billwerder beerdigen

Als möglicher Investor oder Bauträger könnte man abgeschreckt werden. Da entstehen der Stadt Hamburg wirtschaftliche Nachteile.




2024 - Ablasshandel mit Natur

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Hier hat man es weder gut gemeint, noch ist was Gutes dabei herausgekommen. Die großflächige Zerstörung von intakter Kulturlandschaft in Unterbillwerder mit seltenen Arten wie Kiebitz, Feldlerche und Tellerschnecke, sowie gefährdeter Pflanzenarten ist fast vollendet. 

 

Seit vielen Monaten gruben Bagger die Marschlandschaft in Unterbillwerder zwischen Billwerder Kirche und der JVA komplett um. Das Landschaftsbild glich eher einer Marslandschaft. Das Baggergut lag vorerst neben den ausgehobenen Gräben.

Wozu das Ganze? Um die erwartete Zerstörung von 118 Hektar Natur in der Kulturlandschaft Oberbillwerders auszugleichen und die dort vertriebenen Arten hier anzusiedeln. Im Spiegel (52/2004) wurden solche Ausgleichsmaßnahmen im Rahmen von Bauvorhaben als "Ablasshandel mit Natur" bezeichnet.

Es kann nicht gelingen, die Landschaft rechtzeitig vor der Brutsaison einigermaßen so zu modellieren, dass sich die gefährdeten Arten in diesem Jahr hier wieder einfinden. Die erste Brutsaison der Feldlerchen beginnt im April.

Es ist also niemals gut gemeint, wenn zerstörte Natur mit Naturzerstörung ausgeglichen wird. Wieviel mag diese Ausgleichsmaßnahme kosten?

Die Hoffnung, Naturzerstörung und Flächenverbrauch tatsächlich "ausgleichen" zu können, erweist sich in Endphasen exponentiellen Wachstums immer mehr als Illusion: "Irgendwann ist Deutschland zugebaut, aber alles ist naturschutzrechtlich korrekt ausgeglichen". Die Politik fordert seit Jahrzehnten eine Reduzierung des Flächenverbrauchs, lässt den schönen Worten aber wenig konkrete Taten folgen.

 

Der objektive Nutzen von Eingriffsregelungen, Ausgleichsmaßnahmen und Ökokonten für die Natur muss immer wieder kritisch hinterfragt werden, damit "Ausgleich nicht zum Ablass" wird. (Axel Mayer, BUND)

Januar 24: Hier wurde intakte Natur begraben. Hinten die erweiterte JVA.
Januar 24: Hier wurde intakte Natur begraben. Hinten die erweiterte JVA.
Heimat von Feldlerche, Wiesenschafstelze u.a.
Heimat von Feldlerche, Wiesenschafstelze u.a.
Früher: Kulturlandschaft, Gräben, Vögel u.a.. JVA umgeben von Bäumen.
Früher: Kulturlandschaft, Gräben, Vögel u.a.. JVA umgeben von Bäumen.


Naturparadies Acker

Immer mal wieder kommt dieser Satz, wenn über die Flächen in Oberbillwerder gesprochen wird: "Das ist doch nur ein Acker!" Zunächst einmal ist es in der heutigen Zeit nicht unwichtig einen Acker zu haben, der für unsere Ernährung sorgt. In einer Kulturlandschaft ist das Vorkommen eines "Acker" oder von Weideland nicht unüblich. Acker ist die Bezeichnung für landwirtschaftlich genutzten Boden.

Neben der Nutzung für die Landwirtschaft enthält die Fläche in der Kulturlandschaft Billwerder auch zahlreiche und geschützte Tierarten. Im Vorübergehen sieht man davon nicht viel. Die Flächen sind auch sehr groß. Dafür muss man sich etwas Zeit nehmen und genauer hinschauen. Unser Vogelexperte (professioneller Biologe) hat in nur einer Stunde im Juni 2023, in dem Gebiet von Oberbillwerder folgende Beobachtungen gemacht:

"Ich bin heute nochmal der Treckerspur gefolgt und habe auf ca. 60 ha folgendes festgestellt u.a. auch mit zahlreichen Klangaufnahmen. 6. Juni 2323, 5 - 6 Uhr, z.T. nebelig, sehr hohe Gesangsaktivität.

  • ca. 60 (!) sing. Feldlerchen... enorm hohe Dichte an Randstreifen und Umgebung ...
  • ca. 6 sing Wiesenpieper... auf Grünland
  • mind. 1 Grauammer... auf Weißdorn an Gewässerrandstreifen-Hochstaudenflur sitzend und auffliegend beobachtet
  • 1 Braunkehlchen-Männchen... auf Gewässerrandstreifen-Hochstaudenflur in Wiese sitzend beobachtet
  • ca. 20 sing Schafstelzen
  • 1 Rohrweihe.... jagend über Grünland...
  • mehrere Paare Kiebitze mit Jungen... in höheren Bohnen gut getarnt :)
  • mind. 1 Paar Neuntöter mit Jungen
  • mind. 1 Rebhuhn... beobachtet an Randstreifen von Acker und Grünland...
  • mind. 1 Wachtel...rufend...
  • Nachtigall
  • Pirol
  • braun-weißes Reh... Nachkommen von braun&weiß?"

Ebenso befindet sich auf der Fläche eine Menge von Insekten: Schmetterlinge, Libellen, Heuschrecken u.a..  Die Vögel stehen in der Nahrungskette und kommen hier nicht ohne Grund so häufig vor. Das ist ein eindrucksvoller Hinweis zur Artenvielfalt, den ein Nicht-Naturexperte nicht vermuten würde. Und was schätzen die Tiere zusätzlich an dieser Fläche? Die Weite. Sie gewährt ihnen Ruhe und Sicherheit. Der Bau von Oberbillwerder würde diesen Zustand zerstören. Er wirkt gegen die Artenvielfalt, in einer Zeit in diese immer mehr an Bedeutung zunimmt. Da helfen auch kein Grüner Loop oder Animal-Aided-Design.

Blick auf die Flächen in Oberbillwerder
Blick auf die Flächen in Oberbillwerder
Jedes Jahr nutzen die Störche den Acker für die Futtersuche.
Jedes Jahr nutzen die Störche den Acker für die Futtersuche.
Besonders viel Leben findet sich an den Gräben wieder.
Besonders viel Leben findet sich an den Gräben wieder.


Mindestens 1,2 Mio T Sand auf Billwerder

Foto von Christian Faesecke - Sand Indien
Foto von Christian Faesecke. Ist verlinkt mit Beitrag "Indiens Kampf um Sand".

Sieht so die Zukunft der Billwerder Kulturlandschaft aus?
Auf denkbar schlechtem Marsch-Untergrund werden viele Tiere und Pflanzen vertrieben und zerstört. Ein gigantischer CO2-Turbo läuft dann an, um mindestens 1,2 Millionen Tonnen Sand für die Aufschüttung des Geländes anzufahren.
Wir gehen von deutlich höheren Mengen aus, als bislang angesprochen. Die Klimakatastrophe wird bei dem Wohnungsbauprojekt Oberbillwerder komplett ausgeblendet. Mindestens 118 ha Grünland würden verschwinden. Die Planungsgesellschaft IBA verschweigt dieses Thema in ihrer Öffentlichkeitsarbeit komplett. Der  von den Planern vielgepriesene "Grüne Loop" ist nichts weiter als ein Feigenblatt unter das man die wahre Zerstörung der Natur versteckt. Greenwashing im Namen der Stadt Hamburg!

Der Fotograf Christian Faesecke hat diese indische Impression übermittelt. Titel: Mehrere LKWs stehen zwischen aufgeschütteten Sandbergen im Flussbett des Flusses Subarnarekha nahe der Stadt Jaleswar im ostindischen Bundesstaat Orisha.
Faesecke berichtet in einem Blog über die schmutzigen Geschäfte mit dem Sand.



Zerstörungsplan für Billwerder

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Mit dieser Übersicht zu fünf geplanten Flächen wird deutlich, wie gewaltig diese für den Stadtteil (das Dorf!) Billwerder sein werden. Eine Vertretung der Dorfgemeinschaft erhielt am 11. Juli 2020 Redezeit im Bergedorfer Stadtentwicklungsausschuss. Unsere Standpunkte zum Bürgerbegehren wurden sehr ausführlich vorgetragen. Der Ausschuss fand coronabedingt  unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. 

Download
Plan inkl. Verlinkungen (rechte Spalte)
Fünf weitere Flächen für die geplante Zerstörung von Billwerder
Karte_Zerstoerung_Kulturlandschaft_Billw
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Gegen Oberbillwerder

Hamburgs geplanter 105. Stadtteil im Modell

Für Grünflächenerhalt

Kulturlandschaft in Billwerder heute



Arbeitsgemeinschaft
„Paradies Billwerder erhalten“
der Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille e.V.
Billwerder Billdeich 254 · 21033 Hamburg