März 25  B-Plan beschlossen: Und nun?

Schnell zur Hamburg-Wahl hatte der alte Senat das Bebauungsplanverfahren für Oberbillwerder beschlossen. Mit der Veröffentlichung am 7. März 2025 im Amtlichen Anzeiger ist der rechtliche Rahmen gesetzt.

Und nun? Ein verabschiedeter Bebaungsplan (B-Plan) gibt im Falle von Oberbillwerder noch lange nicht die Berechtigung Sand aufzu-

schütten und zu bauen. Für eine sogenannte Vorweggenehmigungsreife müssen die vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen erfolgreich sein (was bisher bei den Wiesenvögeln, um die es hauptsächlich geht, nicht der Fall ist) und der Antrag auf Erteilung einer wasserrechtlichen Genehmigung bei der Behörde eingegangen sein. Für die wasserrechtliche Genehmigung bedarf es hier einer eigenen Umweltvorprüfung

(UVP). Am 12.12.2024 gab es mit den Trägern öffentlicher Belange ein sogenanntes „Scoping“ (§ 4 Abs. 1 BauGB), in dem

sie sich zum erforderlichen Umfang und Detaillierungsgrad des Umweltprüfung äußern sollten, Vertreter der Dorfgemeinschaft Billwärder und des Wasserverbandes Nettelnburg waren auch dabei. Die abgebildete Karte (rechts oben) zeigt den geplanten Untersuchungsraum, der nach Meinung der Dorfgemeinschaft wieder viel zu klein gefasst ist.

Die umfangreichen Unterlagen aus dem B-Plan-Verfahren bilden zwar eine maßgebliche Grundlage zur Erstellung des UVP-Berichtes, diese sind aber unvollständig oder schon älter als fünf Jahre und somit veraltet. Die IPEG* beabsichtigt ergänzend, nachstehende Untersuchungen als Grundlagen für den UVP-Bericht zu erstellen:

1)  Schalltechnische Untersuchungen/ Lärmschutz (Bauphase)

2)  Ggf. Erschütterungsgutachten (Bauphase)

3)  Baugrunduntersuchungen (ggf. einschl. orientierende

      Schadstofferkundung)

4)  Baulogistikkonzept: u.a. Bauablauf,

      Baustelleneinrichtungsflächen, Leitungsumlegungen,

      provisorische Verkehrsführungen

5)  Bauwassermanagement / Wasserhaltung (Bauphase)

6)  Bodenmanagement bzw. -schutzkonzept (Bauphase)

7)  Untersuchung Hydrogeologie

8)  Fachbeitrag Wasserrahmenrichtlinie (Fachbeitrag UVP-Bericht)

9)  Landschaftspflegerischer Begleitplan

10) Artenschutzfachbeitrag, inkl. Aktualisierung der

      Kartierungen relevanter Arten und ergänzende Erfassung
      Biotope, Einzelbäume, Arten gefährdeter und geschützter

      Tier- und Pflanzenarten

11) Hydraulisches Nachweisverfahren

12) Klimatechnische Untersuchung

Karten-Abbildung, Quelle: OBW: Oberflächenentwässerung und Sielbau | Fachplanung Umwelt | Abstimmung des Untersuchungsrahmens UVP-B 12.12.2024 (Dornier Group)
Karten-Abbildung, Quelle: OBW: Oberflächenentwässerung und Sielbau | Fachplanung Umwelt | Abstimmung des Untersuchungsrahmens UVP-B 12.12.2024 (Dornier Group)

Wer sich schon einmal mit den B-Plan Unterlagen befasst hat, sieht sofort, dass vieles nun zum zweiten Mal beauftragt wird,

und nur weil die wasserrechtliche Genehmigung erst im nachhin-

ein erteilt wer den soll (wofür gut zwei Jahre Bearbeitungszeit

eingeplant sind).

Am 9.12.24 wurde in Aussicht gestellt, dass der Antrag im Herbst gestellt werden soll. Sehr sportlich angesichts der Tatsache, dass ein wichtiges Libellen-Gutachten erst im Spätsommer erstellt

werden kann. Auf unsere Frage, wieso die wasserrechtliche Genehmigung für Oberbillwerder nicht gleich zusammen

mit der Korridorfläche – die westlich anschließt – zusammen gemacht werden kann, schon weil der eine Teil vernässt und der andere eher ein Problem mit der Entwässerung hat, gab es eine

verblüffend einfache, aber unsinnige, fiskalische Antwort: Das ginge nicht, denn der Auftraggeber für die Oberbillwerder-Fläche ist die IBA/IPEG und für die Ausgleichsmaßnahme Korridor sei

die BUKEA zuständig. Und im Übrigen habe sich der zweite Antrag immer nach dem Erstantrag zu orientieren.

 

An dieser Stelle sollte man über die Elbe nach Finkenwerder blicken. Dort sollen auf 38 ha überwiegend Einfamilienhäuser gebaut werden (ursprünglich ca. 430 Wohneinheiten), der B-Plan Finkenwerder 32 wurde 2009 verabschiedet. Bis heute, nach gut 30 Jahren Planungen des Gesamt-Projektes, gibt es bislang keinen Planfeststellungsbeschluss zum wasserrechtlichen Verfahren und somit keine Baumaßnahmen.

*IPEG (IBA Projektentwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG) ist eine Tochtergesellschaft der IBA Hamburg GmbH. Sie übernimmt die Verantwortung für die Entwicklung, Erschließung, Vermarktung und Finanzierung des geplanten neuen Stadtteils.



03 2025  Bericht zur Vermarktung (HH Abendblatt)

Folgt man dem Artikel "Oberbillwerder: Vermarktung soll noch dieses Jahr beginnen" im Hamburger Abendblatt (15.3.25), so fallen einem gleich mehrere Ungereimtheiten auf. Hierzu einige Anmerkungen:

(kursiver Text aus Hamburger Abendblatt) Am 7. März gab es vonseiten des Hamburger Senats das finale Grüne Licht für den Bau des neuen Stadtteils Oberbillwerder. Eine Woche später ist der städtische Projektentwickler IBA nun mit einem Informationsstand in eine freie Ladenfläche ins Einkaufszentrum CCB in Bergedorf gezogen. 

Klammheimlich wurde der Baubeginn für Oberbillwerder gleich um mehrere Jahre nach hinten verlegt. Der Hochbau beginnt demnach erst frühestens 2029. Dazu gibt es nun eine neue Richtgröße: die „Besiedlung“. Diese könnte demnach in diesem Jahrzehnt nicht mehr geschehen und erstreckt auf bis zu 20 Jahre. Das heißt, dass mit vorbereitenden Arbeiten ab Ende des Jahrzehnts eine mehrere Jahrzehnte lange 118 ha große Baubrache entsteht. Unzumutbar für die umliegenden Stadtteile und den gesamten Bezirk.

Noch in diesem Jahr wird mit der Vermarktung begonnen. Hier werden also potemkinsche Dörfer verkauft. An wen eigentlich? Welcher seriöse Investor, welche Baugenossenschaft oder welche Baugemeinschaft plant über mehrere Jahrzehnte bis zum Baubeginn? Wer leistet es sich für so eine lange Zeit, eine potenzielle Baufläche vorzuhalten? Oder werden die Flächen nur per Option vergeben? Das schönt die Bilanz der IBA - und nach ein paar Jahren springen potenzielle Investoren wieder ab?

Den Vogel schießen die Planungen zum Thema Sandaufschüttungen ab. Käufer müssen scharf kalkulieren: Die Sandmenge, die benötigt wird, um das Gelände herzurichten, erwirbt die IBA nur für eigene Vorhaben wie die öffentlichen Flächen. Private Bauherren müssen ihren Sanderwerb selbst regeln. Gerechnet wird mit insgesamt mehr als einer Million Kubikmeter oder 100.000 Lkw-Ladungen. Der gesamte Stadtteil muss zum Schutz vor Überflutung bei Starkregen um bis zu 1,50 Meter aufgeschüttet werden. Nun sollen die Investoren selbst ihren Sand besorgen. Auch darauf wird sich kaum ein Bauwilliger einlassen. Die geplante gesamte Aufschüttung ist damit vom Tisch und nur noch die Flächen für den Gemeinbedarf werden durch die IBA aufgeschüttet. Das verteuert jedes einzelne Bauvorhaben nochmals um ein Vielfaches, denn eine Preissteigerung für das kostbare Gut Sand ist erwartbar. Hinzu kommt, dass die Planungen und Gutachten für die Sandlieferungen damit auch vom Tisch sind.

Foto vom Online-Artikel im Abendblatt. Illustration einer idyllischen urbanen Fläche: Wenige Menschen, kein Müll, gepflegte Grünflächen, intakte Infrastruktur.
Foto vom Online-Artikel im Abendblatt. Illustration einer idyllischen urbanen Fläche: Wenige Menschen, kein Müll, gepflegte Grünflächen, intakte Infrastruktur.

Eine geschlossene Lieferung von einer Million Kubikmeter Sand über wenige Jahre und in festgelegten Zeitfenstern mit Rücksicht auf die Anwohnenden ist damit nicht mehr möglich. Bis zum Beginn der nächsten Fällperiode im Oktober wird sich auf dem Gelände nichts tun. Gearbeitet wird zunächst hinter den Kulissen. Weitere Genehmigungen müssen eingeholt werden, die erforderlichen Sandmengen geordert werden. Das passiert abschnittsweise, je nach Bedarf. So gehört eine Baustraße, die vom Mittleren Landweg aus auf das Gelände führen wird, zu den ersten Baumaßnahmen. Über sie erreichen die Lkw mit dem Sand das Baufeld.

 

Zu erwarten ist eine Baubrache, die, durchbrochen von einzelnen fertigen und wenigen Rohbauten, große Brachflächen und einen enormen Baustellenverkehr erwarten lässt. Anwohnende und Umliegende werden damit einer nicht tragbaren Belastung von Lärm, Schmutz, Verkehr und einer damit kaum ausreichenden Wohn- und Lebensqualität ausgesetzt sein. Eine Besiedlung über 20 Jahre bedeutet aber auch: Einrichtungen des Gemeinbedarfs, wie Kitas, Schulen, Sportfelder werden genau wie die medizinische Versorgung erst bei voller Besiedlung rentabel sein und auch erst dann gebaut werden.

 

 

Kostenpflichtiger Artikel -> Hamburger Abendblatt


09 2025 - Letztmalig Störche in Oberbillwerder?


Jedes Jahr sieht man Störche in Billwerder. Die Offenland-Kulturlandschaft ist ein ideales Refugium, um sich Nahrung zu beschaffen. Die Störche gehen bevorzugt auf die gemähten Flächen zwischen den Gräben. Am 30. August konnten sogar 28 Störche gezählt werden.
Das war schon etwas Besonderes! Die Landschaft ist jedoch stark bedroht. Sollte sie zerstört werden, verkleinert sich auch die Fläche für die Störche. Die zunehmenden Trockenheits-Phasen erschweren gerade zur Brutzeit die Nahrungsversorgung der Jungstörche mit Würmern, Fröschen, Lurchen, Kröten oder Schnecken. In Oberbillwerder ist der Tisch noch gut gedeckt!

Mehr Text und Fotos in unserem Blog-Beitrag

4 Störche im Grünland am Rand der geplanten Bebauung.
4 Störche im Grünland am Rand der geplanten Bebauung.


10/24 Evokation Stellungnahme Dorfgemeinschaft

Stellungnahme der Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille zur 

Evokation des Bebauungsplanes Oberbillwerder (16.10.24):

Mit der Evokation des Bebauungsplanes Oberbillwerder übergeht der Senat ein weiteres Mal den demokratisch geäußerten Willen der Bergedorfer Bevölkerung. Bereits im Mai 2020 ist mit dem erfolgreichen Bürgerbegehren „Vier- und Marschlande erhalten!“ eine deutliche demokratische Willensbekundung gegen 

Oberbillwerder durch den Senat missachtet worden. Die Bezirksverwaltung sollte sich entsprechend des Ergebnisses des Bürgerbegehrens beim Senat dafür einsetzen, Oberbillwerder nicht umsetzen zu müssen. Diese Forderung wurde vom Senat abgelehnt.

Mit der Evokation wird nun das demokratische Wahlergebnis zur Bezirksversammlung Bergedorf übergangen, ein Wahlergebnis, dass ganz wesentlich durch die starke Ablehnung des Projektes Oberbillwerder in der Bergedorfer Bevölkerung zustande gekommen ist. Der Senat versucht ganz offensichtlich das Projekt Oberbillwerder mit der Brechstange gegen die 

Mehrheiten in Bergedorf umzusetzen. Für die Nachbarschaft und den sozialen Frieden in und um den neuen Stadtteil lässt das nichts Gutes erwarten. Die Missachtung demokratischer Mehrheiten durch den Senat reiht sich nahtlos in die missglückte Bürgerbeteiligung ein. Gerade in den ersten Phasen der 

Bürgerbeteiligung war die deutliche Mehrheit der Anwesenden in den Oberbillwerder-Veranstaltungen gegen den neuen Stadtteil. Immer wieder wurde kritischen Bürgern das Mikrofon abgestellt oder kritische Fragen nicht beantwortet. Die starke Beteiligung der Kritiker wurde anschließend von IBA und Senat in Zustimmung für Oberbillwerder umgedeutet.

Die Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille begleitet als anerkannter Umweltverband die Planungen zum neuen Stadtteil kritisch. Der Bezirk Bergedorf hat bei den bisherigen Planungen versucht, den gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleich nur unvollständig umzusetzen. Dazu wurden offensichtliche Gefälligkeitsgutachten beauftragt, die das Vorkommen 

verschiedener Rote Liste Arten im Plangebiet negierten. Die vorhandenen Biotopkartierungen der Umweltbehörde kommen zu gegenteiligen Ergebnissen. Wir sind gespannt, ob die nun federführende Stadtentwicklungsbehörde diesen 

Weg weiter gehen wird. Aus Sicht der Dorfgemeinschaft ist der derzeitige Stand der Planungen in Bezug auf die Umwelt- und Ausgleichsplanung mehr als fehlerhaft und würde damit erhebliche Rechtsunsicherheit für diesen Bebauungsplan bringen.

Stellungnahme auf Briefbogen
Stellungnahme auf Briefbogen
LKW schütten mit Sand eine Landschaft zu.
LKW schütten mit Sand eine Landschaft zu.
Blühfläche an der geplanten nördlichen Zufahrt Oberbillwerder.
Blühfläche an der geplanten nördlichen Zufahrt Oberbillwerder.


Aug 24 - Land unter durch Starkregen

Riesige Wassermassen fluteten am 7. August die Straßen und weitere Flächen Hamburgs, insbesondere der Osten war betroffen. Über 900 wetterbedingte Einsätze verzeichnete die Feuerwehr Hamburg. Die Beamten sprachen vom Ausnahmezustand.

Das Wasser, das auch die Acker- und Grünlandflächen von Oberbillwerder in eine Seenlandschaft verwandelte, würde die Leistungsfähigkeit der Entwässerungssysteme von Neuallermöhe, Nettelnburg und Bergedorf-West vollends überfordern. Also, falls der Stadtteil überhaupt gebaut wird. Die Wiesen von Oberbillwerder wirken wie ein riesiger Schwamm, der das Wasser aufnimmt. Würde es, wie geplant, an die Allermöhe Fleete bzw. den nördlichen Bahngraben abgegeben werden, staut sich das Wasser zurück bis nach Nettelnburg. Die Schäden an Gebäuden, Straßen, Autos und Wegen in Neuallermöhe, Bergedorf-West und Nettelnburg wären um ein Vielfaches größer als die massiven Schäden, die wir man nach diesem Starkregen registrierte.

Die Extremwetter-Verhältnisse nehmen deutlich zu. Die Klimaanpassungsstrategie für Bergedorf muss lauten: Keine weitere Versiegelung, erst recht nicht durch Oberbillwerder! 120 ha zusätzliche Versiegelung bei Erhöhung durch Sand um 1,50 Meter. Für die Entwässerung dürfte das bedeuten, dass die tiefer liegenden Regionen absaufen würden. 

Geduldig nehmen die Acker- und Grünflächen in Oberbillwerder die Wassermengen auf.
Geduldig nehmen die Acker- und Grünflächen in Oberbillwerder die Wassermengen auf.


Jun 24 - Wohnen im Grünen macht Grün kaputt

Die Distanz vom nördlichen Rand des geplanten Bebauungsgebiet bis zum Naturschutzgebiet (NSG) Boberger Niederung beträgt 500-1.000 Meter (Luftlinie). Die Morgenpost beschreibt in einem Beitrag , dass unter allen Umständen verhindert werden soll, dass die 18 TSD neuen Bewohner das heute schon überlastete NSG aufsuchen ("Grüne Oase vor der Nase: Aber hier sind Oberbillwerder-Bewohner unerwünscht" / Bezahlartikel 17.6.24). Kein Weg in die Grüne Oase ist eine weitere Facette des großen Oberbillwerder-Paradoxons. Autoarm, aber erheblich mehr Verkehr erzeugend, Klimaverträglichkeit mit großem Aufwand herstellen, aber neu bauend und Grünflächen versiegelnd, Schwammfunktion einbauen, aber die Umlieger saufen ab, Connected City, aber keine Verbindungen - nach Neuallermöhe gegenwärtig wohl nicht in konkreter Planung - und nun sollen die künftigen Bewohner:innen mit allen Mitteln auch noch davon abgehalten werden, die Boberger Niederung als das zu nutzen.

In Zeiten des Klimawandels ein Skandal: Wie viele Menschen werden sich künftig noch Ausflüge mit Auto, Bus oder Bahn leisten können, Kurztrips in die nähere Umgebung oder auch nur Erholung nach einem tropisch heißen Sommertag? Ein wohnortnahes Angebot kommt da sehr gelegen.

Einmal mehr zeigt sich: so ein Megastadtteil mit seinen monumentalen Zahlen passt nicht ins Gefüge. Der grundsätzliche Fehler ist schon die Idee, dort und an genau dem Ort einen völlig überdimensionierten Stadtteil errichten zu wollen, ohne vorher die Bedingungen und mögliche Auswirkungen - hier den Besucherdruck auf ein Naturschutzgebiet - geprüft zu haben. Dafür trägt der gegenwärtige Senat die Verantwortung. Die gelieferte Planung kommt dann entsprechend fehlerhaft, so wie bestellt, und basierend auf den nicht vorhandenen Grundannahmen und nicht erforschten Folgen eines solchen Mammutprojekts. Nun wird auf bizarre Weise "nachgebessert" und Leidtragende werden die künftigen Anwohnenden Oberbillwerders sein, die einmal mehr durch die Versprechungen einer unzureichenden Planung getäuscht werden.

 

Übrigens: Die Erfahrung aus dem Naturschutzgebiet zeigt, wo Menschen gehen wollen, da tun sie es.

Titel mit Foto aus der Morgenpost Hamburg
Titel mit Foto aus der Morgenpost Hamburg
Ein Ranger spricht mit einem Fahrradfahrer, der es sich mit seinem Fahrrad im abgezäunten Bereich auf der Düne bequem gemacht hat. Im Rückzugsgebiet von Wildbiene, Zauneidechse und Ameisenlöwe.
Ein Ranger spricht mit einem Fahrradfahrer, der es sich mit seinem Fahrrad im abgezäunten Bereich auf der Düne bequem gemacht hat. Im Rückzugsgebiet von Wildbiene, Zauneidechse und Ameisenlöwe.


2024 - Ablasshandel mit Natur

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Hier hat man es weder gut gemeint, noch ist was Gutes dabei herausgekommen. Die großflächige Zerstörung von intakter Kulturlandschaft in Unterbillwerder mit seltenen Arten wie Kiebitz, Feldlerche und Tellerschnecke, sowie gefährdeter Pflanzenarten ist fast vollendet. 

 

Seit vielen Monaten gruben Bagger die Marschlandschaft in Unterbillwerder zwischen Billwerder Kirche und der JVA komplett um. Das Landschaftsbild glich eher einer Marslandschaft. Das Baggergut lag vorerst neben den ausgehobenen Gräben.

Wozu das Ganze? Um die erwartete Zerstörung von 118 Hektar Natur in der Kulturlandschaft Oberbillwerders auszugleichen und die dort vertriebenen Arten hier anzusiedeln. Im Spiegel (52/2004) wurden solche Ausgleichsmaßnahmen im Rahmen von Bauvorhaben als "Ablasshandel mit Natur" bezeichnet.

Es kann nicht gelingen, die Landschaft rechtzeitig vor der Brutsaison einigermaßen so zu modellieren, dass sich die gefährdeten Arten in diesem Jahr hier wieder einfinden. Die erste Brutsaison der Feldlerchen beginnt im April.

Es ist also niemals gut gemeint, wenn zerstörte Natur mit Naturzerstörung ausgeglichen wird. Wieviel mag diese Ausgleichsmaßnahme kosten?

Die Hoffnung, Naturzerstörung und Flächenverbrauch tatsächlich "ausgleichen" zu können, erweist sich in Endphasen exponentiellen Wachstums immer mehr als Illusion: "Irgendwann ist Deutschland zugebaut, aber alles ist naturschutzrechtlich korrekt ausgeglichen". Die Politik fordert seit Jahrzehnten eine Reduzierung des Flächenverbrauchs, lässt den schönen Worten aber wenig konkrete Taten folgen.

 

Der objektive Nutzen von Eingriffsregelungen, Ausgleichsmaßnahmen und Ökokonten für die Natur muss immer wieder kritisch hinterfragt werden, damit "Ausgleich nicht zum Ablass" wird. (Axel Mayer, BUND)

Januar 24: Hier wurde intakte Natur begraben. Hinten die erweiterte JVA.
Januar 24: Hier wurde intakte Natur begraben. Hinten die erweiterte JVA.
Heimat von Feldlerche, Wiesenschafstelze u.a.
Heimat von Feldlerche, Wiesenschafstelze u.a.
Früher: Kulturlandschaft, Gräben, Vögel u.a.. JVA umgeben von Bäumen.
Früher: Kulturlandschaft, Gräben, Vögel u.a.. JVA umgeben von Bäumen.


Feb 24 - Kein Kahlschlag für Feldlerchen

Im Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksversammlung Bergedorf wurde es Ende September 2023 publik: Im Zuge einer vorgezogenen Ausgleichsmaßnahme (Verlagerung der Brutplätze der Feldlerche) sollten in Billwerder zeitnah 59 Hybridpappeln gefällt und 46 auf 5 Meter gekürzt. Es handelt sich dabei um die zickzackförmige Baumpflanzung hinter dem Reiterhof Graumann. Jeder, der den Mittleren Landweg am Billwerder Billdeich nutzt, sieht diese, die Landschaft bestimmende, Baumreihe.

 

Begründung: Feldlerchen brauchen zur Brut ein weitgehend flaches und unbewachsenes Gelände. Das haben sie dort, wo sie jetzt brüten. Allerdings liegt dieses im Bereich des Plangebiets für Oberbillwerder und der westlichen Erschließung. Durch die Ausgleichmaßnahme soll das Brutgebiet nach Westen verlagert werden. Die von der Motorsäge bedrohten Pappeln stehen dort jedoch zu nahe am geplanten Brutgebiet, denn Feldlerchen als Bodenbrüter verschmähen Baumbestand im Brutgebiet.

 

Warum die Fällung zu diesem Zeitpunkt? 

Eine Ausgleichsmaßnahme muss funktionieren, wenn der Eingriff beginnt. Das bedeutet, dass zur kommenden Brutsaison alles vorbereitet sein muss, damit der Bau von Oberbillwerder zur Brutsaison beginnen kann. Soweit das Kalkül der Planung.

 

Alles  spricht unserer Meinung nach dagegen. 

Hier würde ein Eingriff in die Natur mit einem noch viel teureren Eingriff bezahlt. Feldlerchen sind zwar besonders geschützt. Die Hybridpappeln aber bieten Schutz und Wohnraum für bis zu acht Fledermausarten. Fledermäuse orientieren sich auf ihrem Beuteflug an Knicks, Bäumen und idealerweise an Baumreihen. Viele Fledermausarten, darunter alle in Billwerder vorkommenden, sind streng geschützt. Die Pappel-Reihe weist gemäß eines Gutachtens von 2017 die größte Aktivität von Fledermäusen auf. Eine solche Maßnahme würde sie in Billwerder verschwinden lassen.


Hybridpappeln sind schnell wachsende Bäume, die bis zu 30-40 Meter hoch und im Idealfall bis zu 300 Jahre alt werden.


Der Baumverlust würde nur teilweise ausgeglichen. Unser Standpunkt ist, so interpretieren wir die Baumschutzverordnung, dass die fünfzig Jahre alten und hohen Bäume mit größerem Stammdurchmesser nicht nur eins zu eins durch Jungbäume ausgeglichen werden müssen, sondern im Rahmen ihres tatsächlichen Wertes durch mehrere Jungbäume und das auch noch ortsnah. Geplant ist lediglich, das anfallende Holz und den Schnitt in einem neu angelegten Knick als Ausgleichsmaßnahme zu verbauen.

 

Eine dringend vorgeschriebene biologische Begleitung und Begutachtung der Arbeiten sollte es nicht geben.

 

Das Landschaftsbild Billwerders, das durch die Baumreihe so markant geprägt wird, würde für immer verändert. 

 

Die Dorfgemeinschaft Billwärder meint: ein Skandal!

- weil dadurch bereits Tatsachen geschaffen würden, indem streng geschützte Fledermäuse vertrieben und Bäume gefällt würden.

 

Wir sind entsetzt, dass ohne einen gültigen Bebauungsplan diese Fällung vorab vollzogen werden sollte.

 

Die Dorfgemeinschaft Billwärder setzt sich mit all ihren Möglichkeiten aktiv für den Erhalt der Pappeln ein.

 

Und das hat vorerst zum Stopp der geplanten Maßnahme geführt: 27.2.2024  "Eilantrag einer Umweltvereinigung gegen die Fällung einer Pappelreihe für den neuen Stadtteil Oberbillwerder erfolgreich"!

Das Oberverwaltungsgericht Hamburg hat hier größeren ökologischen Sachverstand gezeigt als die Hamburger Umweltbehörde. 

Download
Pressemitteilung Dorfgemeinschaft Billwärder
Pressemitteilung der Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille e.V. zum Urteil des Oberverwaltungsgerichts Hamburg
PM Dorfgem Billwerder 2024-02-28.pdf
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Blick vom Mittleren Landweg
Blick vom Mittleren Landweg
Die Pappeln werden bis zu 40 Meter hoch.
Die Pappeln werden bis zu 40 Meter hoch.
In Zeiten der Klimakatastrophe arbeitet Bergedorf mit der Säge.
In Zeiten der Klimakatastrophe arbeitet Bergedorf mit der Säge.
Artenschutz: Wichtige Heimat für bedrohte Fledermäuse und andere.
Artenschutz: Wichtige Heimat für bedrohte Fledermäuse und andere.
Blick auf die Pappeln: Rot= Fällen Gelb= Kürzen (Abb.: Dorfgemeinschaft)
Blick auf die Pappeln: Rot= Fällen Gelb= Kürzen (Abb.: Dorfgemeinschaft)


Aug 23 - Gutachten: Oberbillwerder wird sehr laut!

Klimaschädlich, unökologisch - und nun auch ungesund! Folgt man einem Lärmgutachten, wird sich Oberbillwerder so präsentieren. Lärm ist bekanntlich ein wesentliches Gesundheitsrisiko, insbesondere Straßenlärm. Durch die enorme Zunahme des Straßenverkehrs durch den „Vorzeigestadtteil“ auf 21.000 zusätzliche Autofahrten täglich steigen die Lärmbelastungen vor allem für die Anlieger aller Erschließungsstraßen sehr deutlich, von Verdopplung des Straßenverkehrs in Neuallermöhe und Bergedorf-West bis zu
450% (!) im Raum Bojewiese, Ladenbeker Furtweg!

Wo ohne Oberbillwerder 2.100 Autos fahren würden, sollen es mit dem Zukunftsstadtteil 11.900 täglich sein.
Drei schalltechnische Untersuchungen wurden am 24.8. den Politikern im Stadtentwicklungsausschuss der Bergedorfer Bezirksversammlung vorgestellt. Man geht von einer Zunahme des Straßenlärms in allen Quartieren des Untersuchungsgebietes aus, Such- und Schleichverkehre wurden dabei noch nicht mit untersucht.

Folgen sind enorme Kosten für Schallschutzmaßnahmen an Hunderten von Wohn- und öffentlichen Gebäuden (Kitas, Schulen…) durch Einbau von zwingend vorgeschriebenen Schallschutzmaßnahmen, insbesondere Fenster, allein im Bereich der Erschließungsstraßen.

Folgen sind aber vor allem auch die sinkende Aufenthalts- und Lebensqualität gerade in bisher ruhigen Wohngebieten, durch die enorme Lärmbelastung. Aufenthalt im öffentlichen Raum oder nächtliches Lüften der Wohnung in den erwarteten zunehmend heißen Sommern werden durch den konstanten Lärmpegel kaum mehr möglich.

Durch E-Autos würde der Lärm nicht geringer: „Die E-Fahrzeuge sind nur in extrem langsamer Fahrt wirklich leise“, erklärte Experte Oliver Riek . „Ab 30 km/h übersteigt bei allen Fahrzeugen das Rollgeräusch des Reifenprofils den Lärm des Motors. Und weil die Akkus jedes Elektrofahrzeug deutlich schwerer machen, als das vergleichbare Modell mit Verbrenner-Motor, braucht die E-Variante sogar breitere und damit lautere Reifen.“ Das Lärmproblem des Straßenverkehrs werde künftig also sogar gravierender werden. (Bergedorfer Zeitung 26.8.23)

Geplanter zukünftiger Knotenpunkt: Zufahrt in den östlichen Billwerder Billdeich.
Geplanter zukünftiger Knotenpunkt: Zufahrt in den östlichen Billwerder Billdeich.
Wohngebiet statt Kulturlandschaft. Das führt zu einer starken Zunahme des Verkehrs. In den ersten Jahren z.B. täglich über 180 LKW für die Aufschüttung des Geländes (hier Mittlerer Landweg)
Wohngebiet statt Kulturlandschaft. Das führt zu einer starken Zunahme des Verkehrs. In den ersten Jahren z.B. täglich über 180 LKW für die Aufschüttung des Geländes (hier Mittlerer Landweg)

 

Mehr Information zu der erwarteten Verkehrsbelastung:



Feb 23-Rechnungshof rügt Oberbillwerder Planung

Rüge vom Rechnungshof: Viel Kritik zur Planung von Oberbillwerder auf 16 Seiten. Endlich eine Schätzung der Kosten: rund 440 Millionen Euro - nur für die Projektentwicklung! Allein die Kosten der Projektentwicklung haben sich inzwischen fast verdoppelt. Die Kostenschätzung für Sand, Aufschüttungen und innere Erschließung fehlt immer noch.


FAZIT:

- Das Projekt „Oberbillwerder“ ist nicht stringent durchgeführt worden, weil eine übergeordnete Gesamtkoordination fehlte.

- Die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW) hat keine der Bedeutung des Projekts angemessene Wirtschaftlichkeitsuntersuchung vorgenommen und die Bürgerschaft nicht umfassend über den Aufwand informiert.

- Die BSW und die Finanzbehörde haben erforderliche Ermächtigungen nicht projektspezifisch eingeworben.

- Und vor allem: Der LIG (Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen) hat die Grundstücke unter Wert verkauft.

Oberbillwerder Rechnungshof
Auszug Jahresbericht 2023 / Rechnungshof


Jan 23 - Pläne machen Naturschützer fassungslos

„Klimaneutralität von Oberbillwerder: Große Worte, fast nichts dahinter!“ Dr. Christian Gerbich, Naturschutzreferent des NABU, zweifelt an den festgeschriebenen Bewertungsgrundsätzen des Großprojekts, das den Aspekt der Klimaneutralität zwar in seinen Ankündigungen betone, tatsächlich aber gar nicht in den Vordergrund stelle. Hamburgs NABU-Chef Malte Siegert wird sogar noch deutlicher: „Bei Oberbillwerder mit seinen fast 7.000 Wohnungen und rund 15.000 Einwohnern handelt es sich um einen gravierenden Eingriff in Natur und Landschaft. Für eine ansatzweise naturverträgliche Realisierung des Projektes braucht es zahlreiche Nachbesserungen.“

Der NABU Hamburg hatte gemeinsam mit den in der AG Naturschutz Hamburg zusammengeschlossenen Verbänden eine Stellungnahme zum Bebauungsplan-Entwurf Oberbillwerder eingereicht. Die Pressemitteilung vom NABU Hamburg wurde am 27.1. veröffentlicht und von diversen Medien wie NDR oder Hamburger Abendblatt veröffentlicht.

Überschrift Bergedorfer Zeitung: "Pläne machen Naturschützer fassungslos"
Überschrift Bergedorfer Zeitung: "Pläne machen Naturschützer fassungslos"


Feb 22 - Stadtentwicklung und Umweltzerstörung:

Da hat der Bezirk Bergedorf unwahrscheinlich schnell reagiert. Wäre das doch immer so, wenn Bürger mal einen Hinweis macht.
Nur wenige Tage nachdem wir Fotos zu "SCHLECHTE POLITIK - GUT ERKLÄRT" in den sozialen Medien veröffentlichten, wurde die Infotafel Anfang März an der S-Bahn Station Mittlerer Landweg komplett entfernt. Hat da jemand Angst? So ein bisschen Meinungsvielfalt sollte man doch im Bezirk Bergedorf aushalten können. Hier stehen ein paar Wahrheiten im Text, die auf den öffentlichen Oberbillwerder-Veranstaltungen der IBA und ebenso in den IBA-Veröffentlichungen nicht erwähnt werden.

Schlechte Politik - gut erklärt: Endlich schreibt die Behörde für Stadtentwicklung und Umweltzerstörung im Klartext!
Schlechte Politik - gut erklärt: Endlich schreibt die Behörde für Stadtentwicklung und Umweltzerstörung im Klartext!


"Baum fällt!" - Östliche Anbindung in Planung

Dezember 21 - Noch schlängelt sich der historische Billwerder Billdeich parallel zur Bille in Richtung Ladenbecker Furtweg. Die Bäume am Wegesrand lassen hier, insbesondere, wenn sie belaubt sind, eine Idylle entstehen. Tier und Mensch schätzen diesen sehr schönen Abschnitt der Deichstraße sehr. So es nach den Planern geht, wird dies demnächst ein Ende haben. Für die Anbindung in den autoarmen Stadtteil sollen viele Bäume gefällt werden. Ein nahegelegener ein Biotop an der Bille ist ebenfalls betroffen. Der Straßenabschnitt wird in diesem Bereich verbreitert und begradigt. Südlich der B 5 soll der Zubringer vor der Brücke Ladenbeker Furtweg in Richtung Bergedorf abzweigen und über den heute bewaldeten Hang verlaufen, so ein Planer im Stadtentwicklungs-ausschuss im Dezember 21. Da sollen also noch mehr Bäume fallen! Über die neue Anschlussstelle sollen defensiv geschätzte 12.500 Autos aus Oberbillwerder pro Tag die B5 erreichen.

Billwerder Bäume
Höhe Billwerder Billdeich 570; mindestens 28 alte Bäume sollen gefällt werden.


DEMONSTRATION - Sa. 25.09. mit 1.200 Teilnehmern

- Grünflächenschutz in Hamburg-Bergedorf - 

Einen Tag vor der Bundestagswahl machten wir u.a. erneut auf die Bedrohung der Kulturlandschaft in Billwerder mit all ihren Nebenwirkungen aufmerksam.
- 25.09.21/12 Uhr ging es hier los - Treffpunkt S-Bahn Nettelnburg,
  nördl. Ausgang am Friedrich-Frank-Bogen.
- anschließend Demonstrations-Zug nach Bergedorf (ca. 5 Km).

- Abschlusskundgebung am Weidenbaumsweg (CCB / Bahnhof
  Bergedorf)

 

Mach mit! Rette grünen Lebensraum in Hamburg! Verkehrschaos und Überschwemmungsgefahr verhindern! Wenn wir den Klimaschutz ernst nehmen, darf Oberbillwerder nicht gebaut werden!

 

Gute Stimmung und das Wetter spielt auch mit.
Gute Stimmung und das Wetter spielt auch mit.

Wir brauchen deine Hilfe!:

Meldet euch oder nehmt an Gruppentreffen teil. 

 

Wir brauchen Spenden!

 

Wir brauchen deine Unterschrift für die Volksinitiative "Rettet Hamburgs Grün" (s.u.)! Gelegenheit dafür u.a. bei der Demo.

Download
Demo-Flyer Oberbillwerder 2021
Oberbillwerder Demo_0921.pdf
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Demonstration 2021 Oberbillwerder
Kurz mal auf die B5: Bergedorf wir kommen!


Mehr Hitze durch Klimakrise + Oberbillwerder

Juli 2021 - Auf öffentlichen Kundgebungen wurden Anmerkungen zu Veränderungen im Mikroklima durch die Bebauung von Oberbillwerder als unerheblich abgetan. Das hätte wenig Auswirkungen auf die Umgebung. Aber richtig untersucht wurde es wohl nicht. Man muss nicht wissenschaftlich ausgebildet zu sein, um die kühlende Wirkung zu erkennen. Nach einem heißen Tag abends eine Fahrradtour um das Gebiet machen - da spürt man die kühlende Wirkung!

Die Abbildung "Kühlleistung des Bodens an Sommertagen" aus Geo-Online zeigt, dass das gesamte Gebiet von Oberbillwerder kühlende und wasserspeichernde Böden beinhaltet. Die graugefärbten Flächen sind Böden mit mittlerer Kühlleistung aufgrund hoher Wasserspeicherfähigkeit sowie möglicher Stauwasserbildung nach Starkregenereignissen. Die blauen Flächen haben eine hohe Kühlleistung, es sind grundwasser-beeinflusste Böden. Es dürfte zu vermuten sein, dass die verbleibenden blauen Flächen durch die Bebauung und die tiefen Eingriffe in die Böden kleiner werden. Insgesamte dürften die versiegelte Fläche von Oberbillwerder dann in gelb erscheinen. Gelb steht für niedrige Kühlleistung. Für die nähere Umgebung, aber auch z.B. den Bereich von Bergedorf und Neuallermöhe dürfte dies zu einer weiteren Erwärmung führen. Und letztendlich hängt alles zusammen: Billwerder kühlt Hamburg und ist auch ein kleiner Teil unseres Planeten!

Kühlende Flächen Oberbillwerder
Billwerder: Kühlleistung des Bodens an Sommertagen. Der rote Rahmen zeigt ungefähr den Bereich Oberbillwerder. Blaue Flächen haben hohe Kühlleistung.

Flächen, die überhitzte Städte kühlen, werden stark an Bedeutung gewinnen. Die rotgrüne Politik in Hamburg ignoriert diese Tatsache. Es gibt ein Ziel und das heißt BAUEN. Risiken und Nebenwirkungen werden außer Acht gelassen. Die Tatsache, dass die urbanen Räume sich stetig mehr erhitzen werden, dass mehr Menschen den Hitzetod sterben (Anteil der Bevölkerung "über 65 Jahre" steigt zeitgleich), spielt keine Rolle. Der häufig herangezogene grüne Loop - die grüne Schleife- wird die negativen Auswirkungen der Bebauung und Versiegelung der Flächen in Oberbillwerder keinesfalls ausgleichen können.



Entwässerung Oberbillwerders weiterhin ungelöst

Juli 2021 - In ihrem aktuellen Oberbillwerder-Newsletter stellt die IBA eine Projektleiterin vor, die lieber Häfen oder Kanäle gebaut hätte. Da ist sie in Oberbillwerder schon mal nicht falsch, hier soll sie immerhin die Sielplanung verantworten. Gleichzeitig wird auf die aktuellen katastrophalen Starkregenereignisse im Westen Deutschlands und den Bergedorfer Starkregen im Mai 2018 hingewiesen. Dies alles wolle man in Oberbillwerder berücksichtigen… Wir möchten uns dazu äußern: Bereits der Himmelfahrt-Starkregen 2018 – welcher natürlich nicht vergleichbar mit den aktuellen Ereignissen ist – hat das gemeinsame Entwässerungssystem von Nettelnburg, Bergedorf-West, Neuallermöhe und Billwerder vollkommen überfordert.

Allein wegen dieser mangelhaften Entwässerung kam es zu den massiven Überschwemmungen in diesen Gebieten. 

Ein weiteres aufgehöhtes und größtenteils versiegeltes Wohngebiet (Oberbillwerder), welches in dasselbe System entwässert, wird in jedem Fall Auswirkungen haben und die prekäre Situation des Entwässerungssystems weiter massiv verschärfen. 

Kleinere Starkregenereignisse können in Oberbillwerder vermutlich teilweise zurückgehalten werden, jedoch keinesfalls solche Regenmengen wie im Mai 2018 oder wie wir sie aktuell im Westen Deutschlands gesehen haben. 

 

 

Oberbillwerder Entwässerung
Unglaublich aber wahr: Durch dieses 1,5-Meter-Loch zwischen nördlichem und südlichem Bahngraben soll ein ganzer Stadtteil entwässert werden.

Wir können uns jetzt schon bildhaft vorstellen, wie die Bewohner Oberbillwerders von den Balkonen ihrer Hochhäuser mit Handykameras die Katastrophe in den Nachbarquartieren filmen und der Senat rätselt, wie es dazu nur kommen konnte. Die IBA verschweigt, dass in Oberbillwerder Böden mit hoher Kühlleistung durch Verdunstungskälte verloren gehen. Oberbillwerder würde Hamburg weiter erwärmen und wäre damit ursächlich für Starkregenereignisse verantwortlich. Experten drängen darauf, Hochwasserschutz und Starkregenereignisse stärker bei der Auswahl von Standorten für Bauvorhaben zu berücksichtigen. 

Auch die Versicherungsbranche fordert im Zuge der Diskussion um die Einführung der Pflichtversicherung gegen Elementar-schäden, dass weniger Baugenehmigungen in Risikogebieten erteilt werden sollen. 

Eine weitere versiegelte „Hochebene“, die darüber hinaus über ein bereits bei Starkregen überlastetes System entwässern soll, bedroht die Entwässerung aller umliegenden Ortsteile (Neuallermöhe, Nettelnburg, Billwerder und B-West). Bis zum Beweis des Gegenteils bewerten wir dies als Gefahrenpotenzial, sei es für Hab und Gut und, wenn es ganz unglücklich läuft, auch für Menschenleben.

Wir fordern daher erneut einen sofortigen Stopp der Planungen zur Bebauung Oberbillwerders!

Gez. Die Bürgerinitiative Nein zu Oberbillwerder

Starkregen Oberbillwerder
Die Wiesen von Oberbillwerder, einige Tage nach dem Starkregen am 10. Mai 2018.


Juli 21 - Klimawandel in HH? Für immer versiegelt.

S-Bahn Allermöhe Uberschwemmung
Ende Juni 2020: überschwemmte Unterführung S-Bahn Allermöhe (Foto: Facebook)

Extremwetter, steigende Hitze in den Städten, Starkregen. Aktuell gibt es hierzu in Deutschland traurige Nachrichten  und zahlreiche Opfer. Die Zerstörung und Versiegelung der Kulturland-schaft in Billwerder erscheint in diesem Zusammenhang eine schlechte Entscheidung der Rot/Grünen-Regierung für die Zukunft Hamburgs zu sein. Wir haben die Sorge, dass sich Erschließung und Bebauung von ca. 159 Hektar Offenland und die daraus erfolgenden Versiegelungen negativ auf die Wasserhaushalte der umliegenden Wohnquartiere auswirken. Schon jetzt stellen die Folgen des Klimawandels und die damit verbundenen häufigeren Extremwetter-Ereignisse die umliegenden Siedlungen vor große Herausforderungen. Das Konzept für die Wasserwirtschaft bezieht sich nur auf Oberbillwerder. Berechnungen über die Auswirkungen für die umliegenden Quartiere (Neuallermöhe, Nettelnburg, Allermöhe, Moorfleet, Bergedorf-West), die auch übers Schöpfwerk Allermöhe entwässern, gibt es nicht.

Es wird befürchtet, dass es dort zu einer starken Veränderung der Wassermenge kommt. Durch die Bebauung von OBW gehen 150 Hektar natürlicher Regenwasser-Rückhaltung und -versickerung verloren. Trotz neuer künstlicher Rückhaltebecken wird die Menge des in den Hauptwässerungsgraben Allermöhe abgeleiteten Regenwassers um ein Vielfaches erhöht. Es besteht die Gefahr, dass sich auch der Wasserstand in den

Neuallermöher Fleeten erhöht. Zum Schluss wird alles zusammen über das Schöpfwerk Allermöhe in die Dove Elbe gepumpt. Dies würde die umliegenden Stadtteile und Siedlungen stark gefährden, insbesondere die alten, meist ohne richtiges Fundament gebauten Häuser im Dorf Billwerder und in der alten Siedlung Nettelnburg. Ein Gutachten des Wasserverband Nettelnburg aus 2020 hat ergeben, dass jeder Zentimeter Wasserstandserhöhung in den Fleeten Neuallermöhes Auswirkung auf die Entwässerungsfähigkeit (also auf die Leistungsfähigkeit des Grabensystems) der Siedlung Nettelnburg hat und die Anwohner vor zum Teil unlösbare Probleme stellen würde.


5.4.21 - Offener Brief mit starken Bedenken

In einem offenen Brief gehen wir auf Problemfelder ein, die unmittelbar die aktuelle Lebensrealität der angrenzenden Wohnquartiere von Oberbillwerder betreffen. Die bisherige Planung wird zu einer Verschlechterung der Wohn- und Aufenthaltsqualität führen. Dies betrifft insbesondere zwei Bereiche: Verkehr   und    Entwässerung.

 

20 Initiativen und Interessenvertretungen aus ganz Hamburg unterstützen unsere Forderungen und haben den Brandbrief mit unterzeichnet.

Wir appellieren hiermit eindringlich an Politik und Behörden, alle Alternativen – vor allem auf bereits versiegelten, nicht optimal genutzten Flächen (z. B. Hauni-Parkplatz, Bergedorf) – für dieses Megaprojekt gewissenhaft zu prüfen und den klima- und lebensraumgefährdenden Flächenfraß in Billwerder endgültig zu beenden.

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kurzes Anschreiben zum Offenen Brief Oberbillwerder
Anschreiben offener Brief OBW.pdf
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Offener Brief zur Planung Oberbillwerder
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April, April - Kehrtwendung bei den GRÜNEN?

Es war ein Aprilscherz - leider!:

 

1.4.2021 Wenn das stimmt, sind unsere Aktivitäten bald nicht mehr notwendig: Die Grünen Hamburg besinnen sich anscheinend auf die Werte, die eigentlich in den Genen der Partei liegen sollten: Näheres dazu im Zeitungsbericht rechts. Wir sind gespannt, wie sich das weiterentwickelt.


Falls die Bebauung nun doch nicht stattfinden sollte, hier die Liste einiger (insges. 75) Bewohner, die sich sehr darüber freuen würden: Bekassine, Blaukehlchen, Bluthänfling, Eisvogel, Feldlerche, Feldschwirl, Gartenrotschwanz, Gelbspötter, Grauschnäpper, Haussperling, Kiebitz, Knäkente, Kuckuck, Nachtigall, Rebhuhn, Rotschenkel, Schilfrohrsänger, Stieglitz,

Sumpfrohrsänger, Wachtelkönig, Wiesenpieper, Wiesenschafstelze, Schwarzkelchen, Dorngrasmücke, Gelbspötter, Goldammer, Rohrammer,Grasfrosch, Moorfrosch, Braunfrosch, Seefrosch, Teichfrosch, Teichmolch, Kammmolch, Breitflügelfledermaus, Großer Abendsegler, Rauhautfledermaus, Zwergfledermaus, Mückenfledermaus, Kleine Bartfledermaus, Wasserfledermaus, Breitflügelfledermaus, Großer Abendsegler, Kliener Abendsegler, Braunes Langohr, Schöne Erbsenmuschel, Flusskugelmuschel, Große Erbsenmuschel, Gewöhnlicher Odermennig, Hunds-Straußgras, Weinberg-Lauch, AckerFuchsschwanz, Schwarznessel, Roggen-Trespe, Fuchs-Segge, Rauhes Hornblatt, Zartes Hornblatt, Sumpf-Blutauge, Gewöhnliches Kammgras, Sumpf-Weidenröschen,

Kleinblütiges Weidenröschen, Sonnenwend-Wolfsmilch, Wasserfeder, Dreifurchige Wasserlinse, Straußblütiger Gilbweiderich, Wild-Apfel, Weiße Seerose, Berchtolds Laichkraut, Kamm-Laichkraut, Haar-Laichkraut, Ranunculus auricomus agg. (Artengruppe Gold-Hahnenfuß), Spreizender Wasserhahnenfuß, Schwarze Johannisbeere, Krebsschere, Zottel-Wicke. 

Es handelt sich um Namen von Bewohnern, die per Gutachten festgestellt wurden. Die Meisten davon stehen auf der Roten Liste.

Andere nicht so seltene Namen sind noch gar nicht aufgeführt, z.B. Insekten. Die Promis der Fläche, die "Weiße Rehe" finden sich natürlich auch nicht der Liste. Ebenso die Landwirte in dieser Region.  Und die Bodenbewohner, wie z.B. der Regenwurm oder Maulwurf. Und der Boden an sich nebst seinen Mikroorganismen. Keine Lobby - also weg damit? Das scheint sich nun ja doch zu ändern. Vielen Dank, liebe Grüne Hamburg - wir zählen auf auch!



Jan 2021: Weiße Rehe und heile Welt in Billwerder

Das soll es bald nicht mehr geben: Weiße und dunkle Rehe im Billwerder Schnee. Vielleicht stehen sie im geplanten "Grünem Quartier"...  (Quelle SHZ - CityNewsTV)
Das soll es bald nicht mehr geben: Weiße und dunkle Rehe im Billwerder Schnee. Vielleicht stehen sie im geplanten "Grünem Quartier"... (Quelle SHZ - CityNewsTV)

Sie sind die tierischen Stars in der bedrohten Billwerder Kulturlandschaft: die Weißen Rehe!

Selbst aus der S-Bahn erkennt man sie auf den Wiesen als weiße Punkte. Wenn Oberbillwerder gebaut wird, verschwindet der zentrale Lebensraum für diese Tiergruppe. In den letzten Wochen tauchten sie ein paarmal in Zeitungen, Radio und den sozialen Netzwerken auf. Es ist gut, dass auch sie dazu beitragen Aufmerksamkeit für das drohende Unheil zu erzeugen. Stehen die Rehe doch auch für andere Vertreter auf dieser Fläche, die man aber kaum einmal sieht, deren Namen man vielleicht noch nie gehört hat (Gelbspötter, Flusskugelmuschel, Sumpf-Blutauge...). Es ist schützenswerte Natur, häufig in Rote-Arten-Listen vertreten. Die Hamburger Regierung und ihre "Bauherren" erwähnen diesen Punkt nicht. Im Vordergrund steht eine Natur, die sich Grüner Loop nennt - und gut ist es! Hamburg rühmt sich für Klimabewusstsein und macht bei dieser Riesen-Umweltsünde kurz mal die Augen zu. Ein bedeutender Lebensraum ungefähr so groß wie der Hamburger Stadtpark wird unwiderruflich zerstört. Es gibt ja Ausgleichsmaßnahmen!  Wir brauchen Wohnungen! Trotz stagnierender Einwohnerzahlen und einem noch nicht absehbaren Wandel bei der Nachfrage nach Büroraum. Das Klima verändert sich. Städte werden sich stärker erhitzen. Für die Bewohner urbane Räume werden Grünflächen immer wichtiger.

 

Der Cartoon von Martin Etienne zeigt auch auf das geplante Oberbillwerder. Der laienhafte Blick auf die Fläche trügt: Es ist nicht bloß ein wertloser Acker mit ein bisschen Landwirtschaft! 

Martin Etienne - der Mensch macht sich seine Natur
Martin Etienne - der Mensch macht sich seine Natur


Beiträge 2019 / 2020 -> siehe Untermenü

Arbeitsgemeinschaft
„Paradies Billwerder erhalten“
der Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille e.V.
Billwerder Billdeich 254 · 21033 Hamburg